Baba Ballmer

erstellt von Haider Shnawa am 24. August 2013 23:16

Was wurde nicht alles geschrieben über den Abgang von Steve Ballmer – er hätte einen internen Machtkampf verloren, er wäre ohne Visionen, hätte kein glückliches Händchen  bei der Entwicklung neuer Technologien und überhaupt sei er ganz erfolglos.

Diese Schwachsinnigkeiten wurden wohl nur durch die mannigfaltigen Spitznamen überboten, die man Ballmer gab: vom Duracell-Hasen über Monkeyboy bis hin zu “Harter Hund”. Den Vogel schoss aber wohl ein deutsches Blatt ab, das ihn als Irren und Berserker titulierte – das ist nicht nur schlechter Journalismus und beleidigend sondern schlichtweg unterste Schublade. Dabei ist Steve Ballmer noch lange nicht weg…

220px-Steve_Ballmer_at_CES_2010

Vielmehr gibt es eine recht lange Übergangszeit, in der ein neuer CEO gesucht, gefunden und eingeführt werden soll - immerhin 12 Monate, und in dieser Zeit wird sich Ballmer sicher nicht zurückhalten.

Aber zurück zum Bild von Steve Ballmer, das manche nur durch ein 12-Sekunden-Video auf Youtube haben. Steve Ballmer, der Monkeyboy, der ganz erfolglos sei?

Im Gegenteil: Diejenigen, die Microsoft ein bisschen kennen, und Steve Ballmer mal gegenübergestanden sind, haben ein ganz anderes Bild von ihm. Er ist eher der letzten Mohikaner, mit ihm geht eine Ära bei Microsoft zu Ende, die Ära der Unternehmer, die Microsoft gegründet und nach vorne gebracht haben: er steht in einer Linie mit Bill Gates, Paul Allen, Steven Sinofsky und vielen anderen, die den Softwaregiganten erst zu dem machten, was er heute ist.

Steve Ballmers Ära: Daten und Fakten
Sieht man sich ein wenig die Wirtschaftsdaten an, so zeigt sich, dass Microsoft seit Steve Ballmer CEO ist (nämlich schon seit dem Jahr 2000), den Umsatz annähernd verdreifachte (von 25 Mrd. auf 70 Mrd. Dollar), der Reinerlös stieg im selben Zeitraum um 215% auf 23 Mrd. Dollar – nachzulesen unter http://en.wikipedia.org/wiki/Steve_Ballmer

Vergleicht man gar die Wachstumsraten der Jahresgewinne mit anderen Top CEOs, so schlug Ballmer mit 16,4% Wachstum Legenden wie Jack Welch (GE, 11,2%) oder Louis Gerstner (IBM, 2%) (siehe: http://www.businessweek.com/magazine/steve-ballmer-reboots-01122012.html#p5 ).

Übrigens: Aktienkurse zu vergleichen ist in dieser Hinsicht ziemlich sinnlos – sie sagen meist wenig bis nichts über die Wirtschaftskraft eines Unternehmens aus, sondern unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten.

In seine Ära fällt auch die Transformation von Microsoft als “Betriebssystemhersteller” zum Applikations- und Enterprise-Softwaregiganten. Microsoft macht mit Office, Exchange und SharePoint mehr Umsatz als mit seinen Windows Betriebssystemen und brachte mit dem Suse Linux Reseller-Abkommen (Microsoft ist damit laut Heise sogar der drittgrößte Anbieter von Linux: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ausverkauft-Microsofts-Linux-Geschaeft-brummt-922406.html) gehöriges in der Interoperation zwischen den Systemen weiter (https://www.moreinterop.com/de-de/news-zentrum/aktuelle-news.aspx).  Die XBox erwirtschaftet einen veritablen Anteil am Gesamtumsatz, und mit Office 365 wurde eines der am schnellsten wachsenden Cloudservices auf die Beine gestellt (http://www.officeblog.at/post/2013/05/30/1-Million-in-100-Tagen-Office-365-Abos.aspx)

Also, wenn das erfolglos ist, dann möchte ich gerne erfolgslos sein. Natürlich gab es auch Schattenseiten, und das, was Ballmer am meisten bedauerte sagte er auch frank und frei in dem lesenswerten ZDNet Interview mit Mary Jo Foley (http://www.zdnet.com/microsofts-ballmer-on-his-biggest-regret-the-next-ceo-and-more-7000019810/), das er erst vor wenigen Stunden gab: er nannte es “the loopedy-loo that we did that was sort of Longhorn to Vista” – nun ja, dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Wie geht es weiter?
Das bringt mich zum eigentlich wichtigsten Punkt der Geschichte: wie geht es nun weiter? Und hier gibt es eine klare Ansage zur Vision und Strategie, nicht nur von Ballmer sondern vom gesamten Vorstand, und auch von denen, die den neuen CEO suchen werden: Microsoft soll von der “reinen” Softwarefirma zur Devices und Services Company werden. Und auch die ersten Spekulationen über CEO-Kandidaten geistern durchs Netz….meistens Namen, die es dann unter Garantie nicht werden (http://www.zdnet.com/microsofts-next-ceo-whos-on-the-short-list-7000019798/).
Fest steht: es gibt bereits ein klares Profil für den Nachfolger – und es sollte unter keinen Umständen ein Verwalter/Managertyp das Ruder übernehmen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel…

PS: wenn man etwas wirklich Skurriles zu Steve Ballmer finden möchte, sollte man sich den sogenannten “Ballmer-Peak” zu Gemüte führen. Er besagt, dass Programmierer ab einem gewissen Alkoholpegel intelligentere und kreativere Lösungen für Softwareprobleme finden und besseren Code schreiben. Die Studie wurde zwar nur nach Ballmer benannt (ohne dass er inhaltlich etwas damit zu tun hat), ist jedoch immerhin wissenschaftlich belegt…Smiley

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http://betabeat.com/2012/04/bottoms-up-the-ballmer-peak-is-real-study-says/

Comments (2) -

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8/25/2013 3:42:35 PM #

Danke für das Resumé - war schön zu lesen!
Aber... "Suse Enterprise Linux (Microsoft ist ja der drittgrößte Hersteller von Software für Linux)" - wirklich?
Oder ist damit nur das Patentabkommen zwischen Suse (ehemals bei Novell, mittlerweile wieder ausgegliedert und selbstständig geführt) und Microsoft gemeint?
Patente per se sind nicht Software. Auch wenn sie diese bzw. Verfahren dazu zum Inhalt haben. Eine Formulierung wie die zu Linux scheint mir doch ein wenig übertrieben.
Das einzige von Microsoft in Richtung Linux/Unix war und ist Xenix, ein von Microsoft einige Zeit weiterentwickeltes Unix-Derivat. Das war auch in den späten 80ern viel in Verwendung; und später dann (für alle Ms-Insider) für gewisse Build-Infrastrukturen... ;)

Benjamin Österreich | Reply

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8/25/2013 4:58:48 PM #

Hi Benjamin,
vielleicht etwas spitz formuliert (habe es jetzt umformuliert), aber die Interop-Allianz mit Suse geht über ein Patentabkommen weit hinaus (www.theregister.co.uk/.../). MS hat damit einen Resellervertrag (bereits wiederholt) verlängert, der MS gestattet SLES Lizenzen zu verkaufen (was sie auch tun, daher sprachen einige von einer eigenen MS Distribution...Wink und Interopangebote zu entwickeln (unter anderem das Management Pack zum System Center oder die volle Hyper-V Untersützung für Suse Linux). Letzte News in dieser Sache: volle Unterstützung für Suse in der Cloud (Azure). Mehr dazu: https://www.moreinterop.com/de-de.aspx

Haider Österreich | Reply

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